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Yip Man

* 1893 Fatshan (China)
† 1972 Hong Kong
Lehrer: Si-fu Chan Wah Shun, Si-Sok Leuing Bik
Schüler: Leung Sheung, Bruce Lee, Leung Ting



Yip Mans Leben:
Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte er einer wohl habenden Kaufmannsfamilie in Südchina an. Zwischen 1937 und 1941 diente Yip in der Armee und kämpfte gegen die Japaner. Nach dem Japankrieg kehrte er in seine Heimatstadt zurück, musste je doch unter dem darauf folgenden kommunistischen System, wie viele andere Meister, nach Hongkong fliehen.
Dort ging es ihm eine geraume Zeit sehr schlecht, bis ihm von einigen Menschen geholfen wurde und er mit seinen inzwischen 51 Jahren wieder zu unterrichten begann. Seine ersten Schüler und nachher Übungsleiter seiner Schule waren LEUNG SHEUNG, LOK YIU, TSUI SUNG TING, WONG SHUN LEUNG und WILLIAM CHEUNG.
Nachdem seine Schule sehr populär wurde, zog er nach zwei Jahren nach Kowloon um und gründete die erste kommerzielle Wingchun-Schule, die zeitweise auch von BRUCE LEE besucht wurde. 1956 heiratete er, doch seine Frau wurde von seinen Übungsleitern wegen angeblich schlechter Vergangenheit (nach der Aussage von WILLIAM CHEUNG) nicht akzeptiert. Der Meister selbst soll inzwischen drogenabhängig gewesen sein, doch diese Behauptung einiger seiner Schüler lässt sich nicht beweisen und wird von den meisten heutigen Wingchun Experten dementiert (die Gegendarstellung und glaubwürdigere Version lautet, dass der Meister in seinen letzten Lebensjahren Betäubungsmittel gegen Krebs nahm).
Tatsache ist, daßYip Man selbst selten unterrichtete und die Verantwortung in zunehmendem Maß auf seine Übungsleiter übertrug. Manche von ihnen aber stammten aus der Straßenkämp ferszene der Stadt und machten sich zunehmend einen Namen im Milieu.[...]

Yip Mans Wingchun-Schule
Heute steht fest, dass Yip Man - wie es scheint, mit Absicht - die Kontrolle über seine Schule zu verlieren begann. Er ließ seine Übungsleiter gewähren, die sich immer mehr verselbständigten und ein Wingchun unterrichteten, dass seiner Lehre nicht mehr entsprach.
WILLIAM CHEUNG, einer seiner ersten Schüler, behauptet, dass Yip Mans Erbe heute verfälscht und verschleiert wird, doch in Wahrheit haben die Übungsleiter schon zu seinen Lebzeiten seine Anweisungen nicht mehr befolgt. Dies veranlasste den menschlich sensiblen Meister, sich zurückzuziehen.
Sicher ist, dass Yip Man ein großer Meister des Wingchun war, dass er aber aufgrund von Zweifeln an der Ehrlichkeit seiner Schüler den entscheiden den Rückzug gemacht hatte, bevor er seine gesamte Lehre übertragen konnte.
Tatsächlich gab es 6 Schüler, die von Yip Man persönlich unterrichtet wurden, während heute viele Wingchun-Instruktoren behaupten, seine Erbschaft angetreten zu haben. Aus zuverlässigen Berichten weiß man, dass Yip Man mit der Übertragung seines Kampfkunstkonzeptes auf manchen Widerstand seitens seiner Übungsleiter gestoßen ist, die in vielen Fällen praktische Straßenschläger- und Boxtechniken in den Stile einbauten.
Bereits in fortgeschrittenem Alter soll er daher einzig Leung Ting. einen jungen Schüler, in seine letztendlich reife Kampfkunstauffassung eingeweiht haben, die sich von den verselbständigten Varianten seiner etablierten Übungsleiter unterschied. Von Yip Man sagt man, er sei ein gebildeter Mensch gewesen, der Kung Fu als reine kämpferische Disziplin verabscheute. Manche behaupten, er liebte Fußballspiele und die chinesische Oper. Gegen Kampfkunstexperten und die in den Kampfkünsten übliche Ignoranz hatte er große Vorbehalte und zog sich gewöhnlich zurück. Sei persönlicher Hang zur Perfektion und seine Enttäuschung über die schlechte Haltung vieler seiner Schüler machten ihn für viele Menschen suspekt, und daher hatte er nur sehr wenige Freunde. Im Mai 1970 beendete Yip Man seine Laufbahn als Kampfkunstinstruktor endgültig und übertrug seine Position als Cheftrainer der Hongkong VTAA an seinen letzten Schüler LEUNG TING. Am 2. Dezember 1972 starb er vereinsamt im Alter von 79 Jahren an Kehlkopfkrebs.

(Quelle: Das Lexikon der Kampfkünste, Werner Lind)